Die Gründung des interacto e.V. ist eng mit einer gesellschaftlichen Entwicklung verbunden, die seit den frühen 2000er-Jahren immer deutlicher wurde: Wissen, wissenschaftliche Forschung und digitale Kommunikation gewannen enorm an Bedeutung, gleichzeitig wurden Zugänge zu wissenschaftlichen Informationen zunehmend von wirtschaftlichen Interessen, institutionellen Strukturen und technischen Barrieren bestimmt. In genau diesem Spannungsfeld entstand die Idee eines gemeinnützigen Vereins, der Wissenschaft, Forschung und Informationsfreiheit stärken sollte – unabhängig von finanziellen oder politischen Einschränkungen.
Der interacto e.V. wurde mit dem Ziel gegründet, Bildung und Forschung insbesondere im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik zu fördern. Der Verein versteht sich bis heute als gemeinnützige Organisation, die Wissenschaftlern, Autoren und Forschenden eine offene Plattform für Publikation, Austausch und Zusammenarbeit bietet.
Die Gründerinnen und Gründer des Vereins erkannten früh, dass sich die wissenschaftliche Welt tiefgreifend verändern würde. Digitale Technologien ermöglichten es erstmals, Wissen weltweit nahezu ohne Zeitverzug zu verbreiten. Gleichzeitig zeigte sich aber auch ein grundlegendes Problem: Viele wissenschaftliche Publikationen waren nur gegen hohe Gebühren zugänglich. Forschungsergebnisse, die häufig mit öffentlichen Mitteln finanziert wurden, verschwanden hinter Bezahlschranken großer Verlage. Dadurch entstand ein Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Nutzen von Wissenschaft und ihrer tatsächlichen Verfügbarkeit.
Aus dieser Beobachtung entwickelte sich die zentrale Überzeugung des Vereins: Wissenschaft muss frei zugänglich sein. Forschung dürfe nicht davon abhängen, ob jemand Zugang zu teuren Bibliotheken, Universitäten oder kommerziellen Datenbanken besitzt. Wissen sollte allen Menschen offenstehen – Studierenden, Forschenden, Lehrenden und interessierten Bürgern gleichermaßen. Diese Idee bildet bis heute den Kern der Mission von interacto e.V.
Die Gründungsphase des Vereins war stark von Idealismus geprägt. Die Beteiligten verband die Vorstellung, dass digitale Technologien nicht nur wirtschaftliche Prozesse verändern, sondern auch demokratische Teilhabe stärken können. Besonders das Internet wurde als Werkzeug verstanden, um Bildung unabhängiger, internationaler und gerechter zu machen. Während viele Organisationen vor allem wirtschaftliche Potenziale der Digitalisierung betrachteten, konzentrierte sich interacto e.V. auf deren gesellschaftliche Bedeutung.
Schon früh setzte sich der Verein deshalb mit Fragen auseinander wie:
- Wie kann wissenschaftliches Wissen langfristig frei zugänglich bleiben?
- Wie können Autoren und Forschende unabhängig publizieren?
- Wie lassen sich digitale Technologien für Bildung und gesellschaftlichen Fortschritt nutzen?
- Welche Verantwortung tragen Wissenschaft und Forschung in einer demokratischen Gesellschaft?
Diese Fragen bildeten die Grundlage für die Vereinsarbeit und prägten die organisatorische Struktur des Vereins.
Der interacto e.V. wurde in Wuppertal gegründet und als gemeinnütziger Verein in das Vereinsregister eingetragen. Laut Satzung verfolgt der Verein ausschließlich gemeinnützige Zwecke und ist nicht gewinnorientiert. Einnahmen dienen ausschließlich der Umsetzung des Vereinszwecks.
Von Beginn an war klar, dass interacto e.V. keine klassische Verlagsorganisation sein sollte. Stattdessen verstand sich der Verein als Plattform und Netzwerk. Autoren, Wissenschaftler und Forschende sollten unterstützt werden, ihre Arbeiten zu veröffentlichen, sichtbar zu machen und miteinander in Austausch zu treten. Dabei stand insbesondere die Idee des Open Access im Mittelpunkt.
Open Access beschreibt ein wissenschaftliches Publikationsmodell, bei dem Forschungsergebnisse frei und kostenlos zugänglich gemacht werden. Leserinnen und Leser müssen keine Gebühren zahlen, um auf Inhalte zugreifen zu können. Dieses Modell gilt inzwischen als einer der wichtigsten Ansätze moderner Wissenschaftskommunikation. interacto e.V. gehörte früh zu den Organisationen, die diese Idee aktiv unterstützten und praktisch umsetzten.
Die Gründer sahen darin nicht nur eine technische Veränderung, sondern einen kulturellen Wandel. Wissenschaft sollte transparenter, internationaler und kollaborativer werden. Forschungsergebnisse sollten nicht in geschlossenen Systemen verbleiben, sondern weltweit genutzt, diskutiert und weiterentwickelt werden können.
Dabei war den Verantwortlichen bewusst, dass freie Wissenschaft nicht bedeutet, die Arbeit von Autoren zu entwerten. Im Gegenteil: interacto e.V. betonte stets die Bedeutung geistigen Eigentums und den Schutz von Autorenrechten. Der Verein vertrat die Auffassung, dass wissenschaftliche Freiheit und faire Bedingungen für Autoren zusammengehören. Autoren müssten die Möglichkeit haben, von ihrer Arbeit zu profitieren und gleichzeitig ihre Inhalte offen zugänglich zu machen.
Diese Balance zwischen Offenheit und Schutz geistiger Arbeit wurde zu einem zentralen Grundgedanken des Vereins. Gerade in einer Zeit zunehmender Digitalisierung entstand vielerorts die Vorstellung, digitale Inhalte müssten grundsätzlich kostenlos und grenzenlos verfügbar sein. interacto e.V. vertrat dagegen einen differenzierten Ansatz: Wissen sollte frei zugänglich sein, aber die Rechte und Leistungen der Urheber müssten respektiert werden.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Vereinsgründung war die Förderung wissenschaftlicher Vielfalt. Die Gründer beobachteten, dass viele Forschungsbereiche stark von wirtschaftlichen Interessen beeinflusst wurden. Themen mit geringer kommerzieller Attraktivität erhielten häufig weniger Aufmerksamkeit, obwohl sie gesellschaftlich relevant waren. Der Verein wollte daher bewusst auch Projekte unterstützen, die nicht unmittelbar gewinnorientiert waren.
Besonders kleine Forschungsprojekte, unabhängige Autoren oder interdisziplinäre Ansätze sollten eine Plattform erhalten. Damit verband sich die Hoffnung, wissenschaftliche Innovation nicht nur großen Institutionen zu überlassen, sondern auch unabhängige Stimmen sichtbar zu machen.
Die organisatorische Struktur des Vereins spiegelte diesen Anspruch wider. interacto e.V. verstand sich nie als hierarchische Organisation mit starren Grenzen, sondern als offenes Netzwerk. Wissenschaftliche Veranstaltungen, Publikationen und Kooperationen sollten Menschen zusammenbringen, die an der Weiterentwicklung von Forschung und digitaler Wissensvermittlung interessiert waren.
Mit dem Fortschreiten der Digitalisierung gewann die Arbeit des Vereins zunehmend an Bedeutung. Die Menge wissenschaftlicher Daten und Veröffentlichungen wuchs rasant. Gleichzeitig entstanden neue Herausforderungen: Fake News, Desinformation und algorithmisch gesteuerte Informationssysteme beeinflussten den öffentlichen Diskurs. Vor diesem Hintergrund gewann die ursprüngliche Idee des Vereins neue Aktualität. Freier Zugang zu verlässlicher wissenschaftlicher Information wurde nicht nur zu einer akademischen Frage, sondern zu einer demokratischen Notwendigkeit.
interacto e.V. reagierte darauf mit dem Ausbau digitaler Plattformen und Werkzeuge. Ziel war es, wissenschaftliche Kommunikation einfacher, effizienter und zugänglicher zu machen. Der Verein bezeichnet sich selbst als Pionier im Bereich der Open-Access-Plattformen und verfolgt seit 2005 das Ziel, Wissenschaft und Forschung digital zu stärken.
Dabei spielte auch Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Die Verantwortlichen wollten Strukturen schaffen, die langfristig funktionieren und nicht allein von kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen abhängig sind. Kooperationen, Partnerschaften und gemeinnützige Finanzierungsmodelle wurden deshalb früh in die Vereinsarbeit integriert.
Ein zentrales Motiv der Vereinsgründung war außerdem die Überzeugung, dass Wissenschaft unabhängig von gesellschaftlichen, politischen oder sozialen Einflüssen bleiben muss. Forschung könne ihre gesellschaftliche Funktion nur erfüllen, wenn sie frei arbeiten und publizieren könne. Dieser Gedanke prägt die öffentliche Darstellung des Vereins bis heute.
Die Gründer des Vereins verstanden Wissenschaft nicht nur als Produktion von Wissen, sondern als Grundlage gesellschaftlicher Entwicklung. Innovation, demokratische Teilhabe und kultureller Fortschritt seien nur möglich, wenn Menschen Zugang zu Informationen und Bildung erhalten. Daraus leitete sich ein gesellschaftlicher Auftrag ab: Wissenschaft müsse aktiv gefördert und verteidigt werden.
Besonders bemerkenswert an der Entwicklung des Vereins ist, dass interacto e.V. bereits früh Themen behandelte, die heute weltweit diskutiert werden. Open Science, digitale Wissensplattformen, freie Forschungsdaten und offene Publikationsmodelle gehören inzwischen zu den wichtigsten Zukunftsthemen der Wissenschaftspolitik. Viele Universitäten und Forschungseinrichtungen verfolgen heute Strategien, die eng mit den ursprünglichen Ideen des Vereins verbunden sind.
Die Geschichte des interacto e.V. zeigt damit auch exemplarisch, wie gesellschaftliche Innovation häufig entsteht: Nicht durch große Institutionen allein, sondern durch engagierte Menschen, die frühzeitig Veränderungen erkennen und neue Wege ausprobieren.
Darüber hinaus verdeutlicht die Vereinsgründung den Wandel klassischer Vereinsarbeit im digitalen Zeitalter. Während viele traditionelle Vereine lokal und analog organisiert waren, verstand sich interacto e.V. von Beginn an als digital orientierte Plattform mit internationaler Perspektive. Die Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechniken war nicht nur Gegenstand der Arbeit, sondern zugleich ihr zentrales Werkzeug.
Auch der Name „interacto“ spiegelt diese Grundidee wider. Er verweist auf Interaktion, Vernetzung und Austausch – zentrale Prinzipien moderner Wissenschaft und digitaler Kommunikation. Forschung sollte nicht isoliert stattfinden, sondern im offenen Dialog zwischen Autoren, Wissenschaftlern und Gesellschaft.
Heute steht der Verein beispielhaft für eine Entwicklung, die weit über einzelne Publikationen hinausgeht. Es geht um die Frage, wie Wissen organisiert, verbreitet und geschützt wird. Es geht um die Zukunft wissenschaftlicher Kommunikation in einer digitalen Welt.
Die Gründung des interacto e.V. war daher mehr als die Entstehung eines weiteren gemeinnützigen Vereins. Sie war Ausdruck eines grundlegenden gesellschaftlichen Wandels: dem Übergang von geschlossenen Wissenssystemen zu offenen, digitalen und global vernetzten Formen wissenschaftlicher Zusammenarbeit.
Gerade deshalb bleibt die ursprüngliche Idee des Vereins auch in Zukunft relevant. In einer Welt wachsender Informationsmengen wird die Frage nach freiem, verlässlichem und unabhängigem Wissen immer wichtiger. Der interacto e.V. entstand aus der Überzeugung, dass Wissenschaft allen Menschen dienen sollte – und dass digitale Technologien dabei helfen können, dieses Ziel zu verwirklichen.